Jürgen Schütte   +++   Diavorträge

Schon als Kind wollte ich nach Afrika auswandern – zu den Indianern ... bis ich erfuhr, dass sie dort gar nicht leben! Ich las viele Karl May-Bücher, die meine Neugier auf andere Länder immer weiter verstärkten, und so packte ich mit zwölf Jahren meinen Rucksack, um meine erste Reise anzutreten ... leider kamen mir jedoch meine Eltern dazwischen und aus der Reise wurde erstmal nichts. Also beendete ich zunächst einmal die Schule. Danach bot sich mir unerwartet eine Stelle auf einem Nordseekutter – zur Wahl stand aber andererseits auch eine Ausbildung zum Chemiefacharbeiter – ich schwankte hin und her, bis ich mich schließlich für Letzteres entschied.

Während der Ausbildung stieß ich das erste Mal auf ein Buch von Rüdiger Nehberg. Sein Deutschlandmarsch und die Reise in den brasilianischen Dschungel beeindruckten mich tief. Von da an verschlang ich alle Nehberg-Bücher, die ich bekommen konnte. Auch die Berichte anderer Reisender waren nicht vor mir sicher – ich wollte weg!

Nach fünf Berufsjahren als Chemiefacharbeiter war es dann endlich soweit. Ich hatte genügend Geld zusammengespart, um endlich meine erste wirklich große Reise anzutreten! An einem strahlenden Sonnentag stand ich mit meinem teuer verdienten Fahrrad vor der Haustür und schwang mich in den Sattel, um von Essen nach Indien zu fahren. Fünf Monate dauerte diese Tour. Danach war ich „unheilbar krank“: Das Reisefieber hatte mich gepackt! Kaum zurück, plante ich also auch schon die nächste Fahrt, die mich nach Südamerika führte. Dort fiel mir ein faszinierendes Buch in die Hände: zwei Reisende berichteten von ihren Erfahrungen mit einem Segelboot. Das war’s! Während ich noch mit meinem Fahrrad die Anden hoch strampelte, wurde mir bereits klar, dass ich die nächste Fahrt mit einem Boot unternehmen würde.

Zurück in Deutschland machte ich die nötigen Segelscheine und studierte die Fachliteratur. Mein erster Bootskauf knapp ein Jahr später war ein Desaster. Beim zweiten Kauf lief es schon wesentlich besser. Ich wurde stolzer Besitzer der Agios Joannis o Rossos, eines ehemaligen griechischen Fischkutters. Nach einem Monat Arbeit konnte ich meinen ersten Törn im Mittelmeer unternehmen. Es war ein tolles Gefühl, wenn sich die Segel im Wind aufblähten. Ich war begeistert ... und pleite! Deshalb fuhr ich mit der Agios nach Deutschland zurück. Hier wollte ich das Boot überholen und mich auf meine große Fahrt vorbereiten. Ich kehrte in meinen alten Job zurück und in den kommenden Jahren flossen jegliches Geld und Freizeit in die Restauration der Agios. Die Passage in dem Buch damals in Südamerika, die einer achtjährigen Bootsüberholung galt, musste ich irgendwie verdrängt haben – doch jetzt hatte ich sie wieder deutlich vor Augen ... bei mir wurden es fünfeinhalb Jahre.

2002 war es dann doch soweit. Ich brach zu meiner ersten längeren Probefahrt auf und testete auf der Ostsee die Segeleigenschaften der Agios. Fast genau ein Jahr später, im Herbst 2003, befand ich mich mit meinem Boot in einem heftigen Sturm auf dem Schwarzen Meer. Meine mehrmonatigen Törns führen mich durchs Mittelmeer nach Nordafrika und durch Frankreich zurück nach Deutschland. Nach zwölf Jahren Besitz verkaufe ich die Agios schweren Herzens. Für die erneut notwendigen aufwändigen Arbeiten am Boot hatte ich weder das nötige Geld, noch war ich bereit, noch einmal so viele Jahre an Arbeit hinein zu stecken.

Und nun? Mit einem Freund hatte ich schon vor Jahren eine Floßfahrt geplant. Eigentlich wollten wir den Bau des Floßes gemeinsam in Angriff nehmen, doch Uli hatte bereits angefangen, und das Floß war fast fertig. So befuhren wir im Sommer 2006 die Elbe, den Nord-Ostsee-Kanal und einen kleinen Teil der Ostsee mit dem Floß Enja. Mein nächstes Reiseziel steht auch schon fest: Eine Tour nach Spitzbergen ..!